Der Kungsleden    Die Ausrüstung    Das Tagebuch
  Die 23 Tage auf dem Kungsleden:
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  Samstag, 21.8.99    Tag 2

Alles ist versorgt, ich liege hier mit Handschuhen und in Ultrafleecemontur im Schlafsack. Es wurde gerade 20:00 Uhr. Ich befinde mich hier auf ca 660m, knapp unterhalb der Kieronstugan, die von hier aus gesehen nur noch aus Dach und Schornstein besteht. Die ersten 19 km sind also geschafft. Den Rucksack habe ich komplett umgepackt, naja, fast komplett. Aber: es hat sich gelohnt. Das Zelt ist jetzt nach oben zu den Regensachen gezogen, also schnell verfügbar und zuletzt packbar, so sollte es doch sein. Gerade hat es für ne halbe Stunde genieselt/regnet. Von Westen ziehen tiefe Wolken zu mir herrüber, es wird vielleicht Nebel geben heute Nacht, egal, da schlafe ich ja. Nun, die Pause gestern hat sich schon gelohnt, der schlaf tat mal not. Im übrigen gefällt mir die Art und Weise der 'groben' Planung im Nachhinein, man ist weniger fixiert und so flexibler, was hat Rüdiger noch mal gesagt? "Je weniger Du planst, desto weniger trifft Dich der Zufall" oder so in der Art. Nein, ich bin doch zufrieden. DIE absolute Wildnis ist das hier noch nicht, aber ich habe die ausgelaufenen wege schon schätzen gelernt, weglos kann ewig dauern, ist superanstrengend. Zudem muß ich mich ersteinmal einlaufen und darf es nicht übertreiben. Da wären wir wieder bei der 'groben Planung'. Ich kann es gar nicht übertreiben, wenn ich keinen Bock mehr habe, dann halte ich eben an, mache ne Pause oder schlage das Zelt auf, fertig! Ich habe ja keine festen Wegpunkte, nur ungefähre. Die Temperaturen habe ich etwas unterschätzt, ok, es freiert nicht, aber abends wirds schon empfindlich kühl. Tagsüber ist das aber angenehm, zum Wandern echt ideal, keine Hitze, etwas Wind und keine Mücken (na vielleicht zehn (nur gesehen!)), ich bin begeistert. Wenn das so weitergeht und das Wetter einigermaßen mitspielt, voila!
Das Alleinsein macht irgendwie auch keine probleme, im Gegenteil, ich habe eher das Gefühl ich sein zu können, nur ich. Also bis jetzt habe ich noch nix vermisst. Ok, heute morgen beim rumdösen, da hab ich mir schon gedacht, mensch fährst wieder heim zu den Stuttgartern, aber die sind eh nicht da und ich bin hier und es gefällt mir. Wenn mir das Essen ausgeht, dann fahre ich Heim. Da fällt mir ein, zur Streckung dieses Zeitplanes benötige ich ja noch ne Angelkarte. Was mir hier IMMENS gefällt ist die Tatsache, daß man überall auch Feuer machen darf (Ausnahmeregelungen --> Nationalparks), Dinge, die ich auf Island und in Schottland vermisst habe, auf Island gabs kein Holz, in Schottland keine Möglichkeiten und nur Wasser von oben. Gerade habe ich die Kerzenlaterne angeschmissen, als wohlriechende Citrusheizung. Was ich heute gesehen habe war ein, laß mich lügen, Alpenschneehuhn, welches hier wohl kaum Alpenschneehuhn heissen kann, hier kennt doch keiner die Alpen. Das lief mir einfach so über den Matschweg und dank meiner guten Jägerausbildung wußte ich: "Hmm, lecker, Alpenschneehuhn im Sommerkleid?" Kann auch was anderes in die Richtungsein.
Der Körper macht bis jetzt alles mit und muckt nicht rum, ich bin also beruhigt. Gut, rechtes Knie weiß nicht so recht, ob es nun weh tun soll oder nicht, das ist aber völlig normal. Über 20 km in zwei Tagen soll sich man keiner beschweren, auch nicht (und gerade nicht!) mein Ehrgeiz! Ja ich weiß, die Schrift ist heute mal wieder sehr lesbar, aber ich habe saukalte Finger, der Atem (gerinnt?) kondensiert mir vor der Nase, warm ist es nicht gerade, aber: bin ja nicht auf Ibiza, dafür gäbe es da aber mehr Frauen als hier, da sind die aber fehl am Platze, denn HIER ist es kalt, nicht auf Ibiza! Nee, lieber nicht, sonst hätte ich die nexten Wochen nur Regen, dann lieber alleine. So, nun werde ich mal gucken, wo ich morgen hin gehe.
Erstmal....
Waaaaah! Keine 7°C und ich find den scheiß Handschuh nicht!!! *schrei*
Ende Tag 2

 
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