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Samstag,
21.8.99 Tag 2
Alles
ist versorgt, ich liege hier mit Handschuhen und in Ultrafleecemontur
im Schlafsack. Es wurde gerade 20:00 Uhr. Ich befinde mich hier auf ca
660m, knapp unterhalb der Kieronstugan, die von hier aus gesehen nur noch
aus Dach und Schornstein besteht. Die ersten 19 km sind also geschafft.
Den Rucksack habe ich komplett umgepackt, naja, fast komplett. Aber: es
hat sich gelohnt. Das Zelt ist jetzt nach oben zu den Regensachen gezogen,
also schnell verfügbar und zuletzt packbar, so sollte es doch sein.
Gerade hat es für ne halbe Stunde genieselt/regnet. Von Westen ziehen
tiefe Wolken zu mir herrüber, es wird vielleicht Nebel geben heute
Nacht, egal, da schlafe ich ja. Nun, die Pause gestern hat sich schon
gelohnt, der schlaf tat mal not. Im übrigen gefällt mir die
Art und Weise der 'groben' Planung im Nachhinein, man ist weniger fixiert
und so flexibler, was hat Rüdiger noch mal gesagt? "Je weniger
Du planst, desto weniger trifft Dich der Zufall" oder so in der Art.
Nein, ich bin doch zufrieden. DIE absolute Wildnis ist das hier noch nicht,
aber ich habe die ausgelaufenen wege schon schätzen gelernt, weglos
kann ewig dauern, ist superanstrengend. Zudem muß ich mich ersteinmal
einlaufen und darf es nicht übertreiben. Da wären wir wieder
bei der 'groben Planung'. Ich kann es gar nicht übertreiben, wenn
ich keinen Bock mehr habe, dann halte ich eben an, mache ne Pause oder
schlage das Zelt auf, fertig! Ich habe ja keine festen Wegpunkte, nur
ungefähre. Die Temperaturen habe ich etwas unterschätzt, ok,
es freiert nicht, aber abends wirds schon empfindlich kühl. Tagsüber
ist das aber angenehm, zum Wandern echt ideal, keine Hitze, etwas Wind
und keine Mücken (na vielleicht zehn (nur gesehen!)), ich
bin begeistert. Wenn das so weitergeht und das Wetter einigermaßen
mitspielt, voila!
Das Alleinsein macht irgendwie auch keine probleme, im Gegenteil, ich
habe eher das Gefühl ich sein zu können, nur ich. Also bis jetzt
habe ich noch nix vermisst. Ok, heute morgen beim rumdösen, da hab
ich mir schon gedacht, mensch fährst wieder heim zu den Stuttgartern,
aber die sind eh nicht da und ich bin hier und es gefällt mir. Wenn
mir das Essen ausgeht, dann fahre ich Heim. Da fällt mir ein, zur
Streckung dieses Zeitplanes benötige ich ja noch ne Angelkarte. Was
mir hier IMMENS gefällt ist die Tatsache, daß man überall
auch Feuer machen darf (Ausnahmeregelungen --> Nationalparks), Dinge,
die ich auf Island und in Schottland vermisst habe, auf Island gabs kein
Holz, in Schottland keine Möglichkeiten und nur Wasser von oben.
Gerade habe ich die Kerzenlaterne angeschmissen, als wohlriechende Citrusheizung.
Was ich heute gesehen habe war ein, laß mich lügen, Alpenschneehuhn,
welches hier wohl kaum Alpenschneehuhn heissen kann, hier kennt doch keiner
die Alpen. Das lief mir einfach so über den Matschweg und dank meiner
guten Jägerausbildung wußte ich: "Hmm, lecker, Alpenschneehuhn
im Sommerkleid?" Kann auch was anderes in die Richtungsein.
Der Körper macht bis jetzt alles mit und muckt nicht rum, ich bin
also beruhigt. Gut, rechtes Knie weiß nicht so recht, ob es nun
weh tun soll oder nicht, das ist aber völlig normal. Über 20
km in zwei Tagen soll sich man keiner beschweren, auch nicht (und gerade
nicht!) mein Ehrgeiz! Ja ich weiß, die Schrift ist heute mal wieder
sehr lesbar, aber ich habe saukalte Finger, der Atem (gerinnt?) kondensiert
mir vor der Nase, warm ist es nicht gerade, aber: bin ja nicht auf Ibiza,
dafür gäbe es da aber mehr Frauen als hier, da sind die aber
fehl am Platze, denn HIER ist es kalt, nicht auf Ibiza! Nee, lieber nicht,
sonst hätte ich die nexten Wochen nur Regen, dann lieber alleine.
So, nun werde ich mal gucken, wo ich morgen hin gehe.
Erstmal....
Waaaaah! Keine 7°C und ich find den scheiß Handschuh nicht!!!
*schrei*
Ende Tag 2
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